Direkt zum Hauptbereich

Ik hou van mij mobiltje

Eigentlich war der Artikel nur als ein Riesending geplant, aber das liest ja niemand ohne Ermüdungserscheinungen. Habe mich daher entschieden auf zwei Seiten aufzuteilen, der eine soll einfach nur die Beziehung Mensch-Maschine gestalten und erklären, der zweite die Ethik.

Vor wenigen Tagen saß ich mit einem großartigen Menschen auf dem Sofa und wir redeten über viele wichtige Dinge. Dabei fiel mein Blick das ein oder andere Mal auf meinen intelligenten Telefonknochen mit dem schicken Namen Samsung Galaxy S2. Das Teil spielt eigentlich keine große Rolle mehr auf dem Markt, ist es doch immerhin schon über 3 Jahre alt. Buh! Über 3 Jahre! Direkt ein Neues kaufen. Aber halt, wofür und weshalb?



Spulen wir zurück. Dieser Moment auf dem Sofa war sicherlich ein Schlüsselerlebnis, denn mein Gedächtnis verrät mir, dass es einen Moment gab in dem ich sagte, dass genau das mein Thema werden soll: Smartphones und deren Konsumverhalten.

Lasst uns mal darüber nachdenken, wieso wir dem Ruf der Großen folgen, sobald ein neues High-End-Gerät auf den Markt geschmissen wird, obwohl unser bisheriges noch absolut in Ordnung ist. Was ist schlimm daran, nicht up-to-date zu sein? Wenn der Klapperkasten einmal kaputt ist, was ist da (noch) vertretbar? Man man man, dass wird kein kurzer Abend für mich mit dem Komplex.

Nochmal langsam und Schritt für Schritt. Smartphones sind keine neue Sache mehr, sondern Standardware. Dass jeder mindestens eines dieser Teile hat, ist auch keine Überraschung oder Nachricht mehr. Digitale Kommunikation dominiert den Massenmarkt. Nehmen wir also erstmal einen herkömmlichen Teilnehmer dieses riesigen Netzwerkes, so wie du und ich. Wie wir an das jetzige Smartphone gekommen sind kann schon geschickt unterschiedliche Gründe haben. Werbung, Vertragsverlängerungen, Geschenke, gefunden, gewonnen, oder gekauft - alles legitim. Erstmal angeschaltet und registriert steht man vor der unzählbaren Welt der Apps in ihren jeweiligen Stores (Anm.: Mich nerven diese Worte jetzt schon). Die ersten Wochen sind wie bei einer frischen Liebe, alles ist Hip und rosa und leuchtet und eigentlich fragt man sich nicht nur wie, sondern ob man vorher überhaupt gelebt hat. So soll es ja auch sein und ist irgendwo auch Belohnung für den Kauf. Und danach? Alltag. Alle Apps die man wirklich verwendet sind noch drauf, der Rest gelöscht. Speicher ist satt vorhanden und jetzt kommt dann erstmal der benutzerabhängige Inhalt, wie Bilder, Musik, Videos. Das geht nun erstmal 1-2 Jahre so, dann meldet sich der innere Drang (oder ein freundliches Schreiben vom Mobilfunkanbieter) zu Wort und schreit "Neu Neu Neu!".
Ab diesem Punkt empfindet man es schon als Normalität, dass etwas besseren her muss. Man baut sich selbst seine eigene Argumentationslinie auf, die Standardaussagen sind doch immer: Die Garantie sei ja auch schon fast abgelaufen. Das neue Gerät ist viel schicker und kann viel mehr und kostet so gut wie nichts und zu guter Letzt der hohe Prestigefaktor. Hier fängt man in der Regel an, sich selbst schon zu betrügen.

Schauen wir uns doch genau diese Aussagen mal einzeln an. Nehmen wir den Preisfaktor. Wenn man nach zwei Jahren ein neues Top-Gerät für einen Bruchteil des eigentlichen Preises bekommt, dann ist das kein tolles Angebot, sondern einfach nur Resultat aus monatelanger Selbstfinanzierung durch einen überhöhten Grundbeitrag und der Subventionierung von solchen Geräten.
Das Neue ist viel schicker... im Ernst? Und vor ein paar Jahren hat man sich irgendeinen hässlichen Dreck gekauft? Das glaubst du doch selbst nicht. Design-Diktat funktioniert, wenn man selbst nicht zu seinen Entscheidungen steht. Es gibt keine Publikumspreise, die man in der Straßenbahn dafür erhält, dass man den neusten Hip besitzt. Es kann aber doch so viel mehr und ist schneller und die tollen neuen Funktionen, von denen man schon beim bisherigen Gerät nur 20-30% verwendet hat. Und dann ist da noch das Garantie-Gewährleistungs-Ding. Ich verstehe es irgendwie mittlerweile nur noch so, dass man sein Geld lieber früh ausgibt, statt einfach mal zu schauen, ob man es überhaupt ausgeben müsste. Alle Argumente bis hierhin zerfallen. Schwach.

Letztendlich bleibt nur die Prestige und das Gefühl ein besserer Mensch zu sein durch ein tolles neues Gerät. Jemand der hier drauf abfährt braucht gar nicht weiterlesen bzw. weiterdenken, das hat er schließlich schon weit vorher sein gelassen. Prestige und die erhoffte daraus resultierende gesellschaftliche Anerkennung treten gar nicht erst mehr auf bei einem Objekt aus einem übersättigten Massenmarkt. Klingt eher nach Minderwertigkeitskomplex, statt rationalem Mehrwert.

Machen wir hier nun erstmal eine Pause. Ziemlich harter Tobak für einen Abend - aber Klartext ist nötig um vom hohen Ross runter zu steigen. Der nächste Teil kommt, in dem es vorallem darum gehen soll, was noch akzeptabel ist und vor allem einmal Kontra gibt. Lasst was von euch hören.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Digital Detox

Klingt irgendwie schon so, als würde das Digitale einen erkranken lassen. Entgiftung als propagiertes Mittel. Gedanke, der viel wichtiger scheint:
Gesunde Balance finden - Selbstverständnis schärfen.

Persönliche Entropie als Personal Mastery

Wichtige Entscheidungen stehen an, die Informationslage ist mehr als ausreichend und trotzdem nur Stillstand. Ein Einsatz erklärt der Titel.
Persönliche Entropie beschreibt die Angst, die das eigene Handeln beeinflusst und die Rationalität stört. Das Überwinden dieser Hürde erst bringt die Freiheit wirklich kluge Entscheidungen zu treffen.

Logistik-Review

Auf dem Weg zur Arbeit bin ich über eine Brücke gelaufen und beobachtete neben unzähligen PKWs auch LKWs und alles dazwischen (Lieferwagen etc.).
Das kann man doch intelligenter machen: Vier Gedanken schossen mir durch den Kopf.