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Repair Café

Neulich ließ ich meinen Blick schweifen quer durchs Zimmer über Dinge, die sich mit der Zeit angesammelt haben. Vieles funktioniert noch einwandfrei, manches habe ich schon vergessen zu besitzen und das ein oder andere gute Stück hat schon einige Zeit den Staub geschickt vom Boden abgehalten. Alles dürfte in Ordnung aber sein, ab und an kommt es aber mal dazu, dass durch ein kleines Ungeschick etwas zu Boden fällt, oder man sich beim obligatorischen auf-die-Couch-schmeißen voll draufsetzt - kaputt. Schade.

Oftmals ist doch nur ein bisschen handwerkliches Geschick, Mut und Kreativität gefragt um alles ungeschehen zu machen. Bislang hatte ich hier immer ein wenig Glück - alles konnte gelöst werden, oder ich habe es als Totalschaden abgestempelt. Doch was tun, wenn man zwei linke Hände hat und das passende Werkzeug nur für Rechtshänder ausgelegt ist? Wegschmeißen und Neukaufen. Ne, das kann jeder und macht doch keinen Spaß. Hier gibt es eine erwähnenswerte Alternative, die irgendwie kaum Präsenz im Bewusstsein hat; das Repair Café.

Es klingt ja schon fast wie ein Traum, man nimmt sein geschrottetes Teil in ein Café, trifft Leute die einfach alles können und nimmt entspannt ein repariertes Schätzchen gegen kleine Kohle wieder mit nach Hause. So kann man eigentlich die Idee hinter dem Konzept von Repair Cafés verstehen und beschreiben.

Eine Stiftung, die sich die Verbreitung und Pflege des Konzeptes zum Herzen gemacht hat kommt erfreulicherweise von unseren Nachbarn den Niederländern. Die Repair Cafe Stiftung (http://repaircafe.org) beschreibt, dass es keineswegs darum gehen soll professionellen Handwerkern den Rang abzulaufen, sondern vielmehr darum ein Kontra der Wegwerfgesellschaft zu sein. Wieso ist mir das einfach nur so sympatisch?! Es ist nah, einfach und fair - man kann mitmachen und kann Lösungsorientiert arbeiten. Gewiss ist die Qualität der Reparatur irgendwo abhängig von Kompetenz, Grad der Beschädigung, Erfahrung, den Möglichkeiten des Fixen und aber auch von der persönlichen Erwartungshaltung. Es wäre naiv zu glauben, dass man alles auf das Niveau von neuwertigen Geräten heben kann, aber darum soll es gar nicht gehen. Alleine schon, wenn man an geliebten Gegenständen noch ein bis zwei weitere Jahre fröhlich die Zeit verbringen kann hat sich der Besuch schon gelohnt.

Wenn ihr in eurer Lieblingssuchmaschine einfach mal nur nach Repair Cafe + eurem Stadt-/Kreisnamen sucht findet ihr einfachen und preiswerten Zugang zu einer Welt voller Nachhaltigkeit. Die Verbreitung ist höher, als ich mir gedacht habe. Diese Sonderveranstaltungen in den Cafés sind zeitnah und einen Besuch wert. Informiert euch doch einmal, ob ihr nicht irgendeine kleine Geschicklichkeit mit einbringen könnt z.B. Fahrradketten reparieren oder austauschen. Im Gegenzug hilft euch bestimmt mal jemand, wenn das Laptop streikt.

Mir gefällt die Idee ehrlich gesagt so gut, dass ich überlege mich aktiv einzubringen. Ich kann mit IT-Dienstleistungen auftrumpfen, sicherlich nicht die schlechteste Sache. Kohle will ich dafür dann keine sehen, wenn man schon erreicht hat, dass ein Gerät nicht in die Tonne wandern muss ist das völlig OK. Vielleicht geht es euch ja ähnlich, vielleicht unterstützt ihr die lieben Helfer vor Ort auf mit selbstgemachter Nervennahrung und einem freundlichen Plausch. Das ist für mich gelebte Nachhaltigkeit statt Phrasendreschen.

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