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Alle Jahre wieder - des Deutschen liebstes Geschenk

Hohoho, noch etwas mehr als eine Woche und dann kann sich endlich wieder reichlich beschenkt mit der Familie zusammengesessen ein paar ruhige Tage verbracht reichlich beschenkt werden. Was mich daran stört ist nicht der Fokus auf den Konsum, den empfinde ich sogar irgendwo noch als ehrliches Statement sich selbst zu belohnen - zumindest im Kontrast zum jährlichen einmaligen Besuch anderer Lokalitäten. Was mich stört ist diese Maßlosigkeit.

Ich habe mal gerade in unsere allerliebste Suchmaschine eingegeben, was denn so der Durchschnittsdeutsche plant für Weihnachten auszugeben. Das wären 285€ (Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/208623/umfrage/durchschnittliche-ausgaben-fuer-weihnachtsgeschenke-in-deutschland/). Der Unterschied zum Vorjahr ist vernachlässigbar, aber das Niveau und die Zahl an sich sind schon ordentlich und interessant.

Was bedeutet diese Zahl denn eigentlich? Im Idealfall, dass jeder Konsument in Gesamtsumme für alle Geschenke 285€ ausgibt und verteilt. Bei 5 Geschenken wären das also je knapp 60€. Klingt ja ganz human, wenn dieses schöne Wort "durchschnittlich" nicht präsent wäre. Nehmen wir also mal ein Extrembeispiel: Wenn einer nur ein kleines Weihnachten feiert und beispielsweise 60€ investieren kann (5€ pro Monat zurückgelegt), muss ein zweiter schon mit über 500€ die Kassen klingeln lassen, damit die Mitte passt. Und das halte ich sogar irgendwie gar nicht für so extrem, sondern vielmehr spiegelt das den Durchschnitt tatsächlich meiner Meinung nach wieder. Wenn wir jetzt mal überlegen, welche Einzelprodukte man in dieser Preisklasse wiederfindet kann man meinen Gedanken sogar noch besser nachvollziehen - lassen wir mal die Küche, Haus, Auto, Boot außen vor!

In der Klasse um/ab 500€ reden wir doch nur noch von Unterhaltungselektronik, Fernseher, Notebooks, Smartphones, Spielekonsolen im Bundle (mit Spielen + Controller). Sicherlich ist das absolut legitim sich hiermit einen Wunsch erfüllen zu können, jedoch ist der Markt für Unterhaltungselektronik so gesättigt, dass in der Regel kein Erstkauf hier mehr abgebildet wird, sondern ein Upgrade. Damit man auch bloß den neusten Film im Heimkino Zuhause in 3D verfolgen kann und sich noch nahtloser in die digitale Welt reinintegrieren kann. Ersatzbeschaffungen für defekte Geräte werden doch nicht bis Weihnachten aufgeschoben, sonst müsste man ja mehrere Wochen oder Monate sich nicht dieser Medienform widmen können - fatal. Was passiert hier also wirklich? Die verdiente Belohnung zum Fest der Liebe nimmt ein ziemlich bemerkenswertes Ausmaß an, dass man selbst nicht wahrhaben möchte. Schnell hat man sich seine eigene Argumentationslinie zurechtgelegt, gekauft, mit 0% Zinsen über 24 Monate finanziert und ist glücklich. Allerdings bleibt es doch gar nicht bei diesem einen singulären Geschenk, sondern es wird noch allerlei Kleinkram gekauft "weil es dazu gehört", oder "man noch etwas extra in den Händen halten möchte zum Überreichen". Und hier wird es doch seltsam. Ich misstraue dieser eingangs genannten Studie, denn Konsumenten geben in der Regel nie offen und ehrlich zu, was sie tatsächlich auf den Tisch legen: Das Familienoberhaupt kauft doch nicht nur einen neuen Familienfernseher, an dem sich die Kinder mitergötzen können, sondern auch noch Geschenke für den Partner und die liebe Sippschaft. Das fällt gerne mal hinten rüber, ergibt aber dann in der Realität einen noch viel höheren Betrag und Menge. Die Quantität hat irgendwo endgültig der Qualität der Rang abgelaufen. Ein ganz simpler Selbsttest: Bekommst du alle Geschenke des letzten Geburtstages oder Weihnachten komplett aufgezählt? Wenn ja, verwendest du diese auch alle so, wie du es dir gewünscht hast? Wenn nein, wieso hast du manche Sachen vergessen? In der Regel wird es einfach durch die Flut auf dem Gabentisch passiert sein, sodass das Einzelne in Vergessenheit geraten ist.

Zurück zum Kern. Es wird also in jedem Fall etwas gekauft, ganz gleich ob man einen wirklichen Bedarf hat. Ich will hier kein Verfechter des Minimalismus werden, sondern stelle in Frage, ob das Ausmaß noch irgendwo eine Normalität kennt. Der bewusste Verzicht während des Jahres würde meiner Meinung nach so etwas rechtfertigen, wären da nicht noch Ostern/Geburtstag/Namenstag/Jahrestag/usw. Geschenke auf Finanzierung gehen gar nicht, da denke ich konservativ. So etwas soll ohne Nachlauf oder weitere Folgen sein.

Ich finde es irgendwo seltsam, dass man in persönlichen Nachfragen nur zu hören bekommt, dass "die Zeit mit der Familie", "endlich zur Ruhe kommen", "entspannen", "gutes Essen", "Freunde oder Verwandtschaft sehen" immer im Vordergrund stehen, wenn es über die Werte und Bedeutung der Weihnachtsfeiertage geht, abseits der religiösen Motivationen für den einen oder anderen. Und dann kommt dazu dieser Kontast! Zu toppen für mich ist das nur noch durch geschenkte Tiere, da habe ich Null Toleranz, denn sowas gehört sich einfach nicht und ist auch nicht niedlich oder wertvoll.

Mir macht Weihnachten so keinen Spaß irgendwie mehr, anstelle einer kleinen Aufmerksamkeit für den Gastgeber oder Liebsten wird ein Übertrumpfen ausgefochten, damit man sein gesellschaftliches Ansehen nicht verliert. Ich werde dieses Jahr nichts verschenken, außer einem monetär unmessbaren Gut; meiner Zeit an diesen Tagen.
Durch die permanente Verzahnung mit verschiedensten Netzen (on- und offline), sowie einem hektischen Alltag kommen manche Dinge einfach echt zu kurz auf Grund von Zeitmangel, was ich sehr schade finde. Das wird mein Geschenk sein an diejenigen, die zu kurz kommen. Sicherlich nicht nerdig und cool, aber wenigstens ein ehrliches Geschenk. Mein Smartphone werde ich in die Ecke legen an diesen Tagen, somit wird das ganze wirklich noch ruhiger. Im Internet liest man neben den üblichen beginnenden Jahresrückblicken eh nur wie groß(artig) andererleut's Weihnachtsfeier verlaufen ist. Unpassenderweise Frage ich mich, wie das wohl aussehen mag, wenn man zunächst alle Geschenke auspackt, nebeneinander drapiert, Fotografiert und Kommentiert und dann vielleicht konsumiert - während man sich um seine eigentlich Liebsten begibt.

Vielleicht ist es nicht schlecht hier einfach mal einen Gang runterschalten und ein Bewusstsein zu schaffen, fern ab dem Alltag und seinem Stress. Mein Ziel für dieses Jahr ist es, einerseits durch Präsenz und gleichzeitiger Nichtpräsenz einen Wert zu schaffen, bin gespannt wie mir das gelingt. Geschenke brauche und erwarte ich keine, außer Zeit.

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