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Datenprofile im Alltag - Völlig umsonst.

Google, Apple, Amazon, Facebook - alle Firmen liefern starke Ergebnisse. Natürlich, weil alle den Massengeschmack treffen und Dienste anbieten zu einem Preis zwischen 0 und Umsonst. Doch wie kann das eigentlich überhaupt sein?


Folgendes muss man einfach mal vorstellen: Datensparsamkeit ist in dieser Welt ein Mythos, nicht mehr existent. Bedeutet im Umkehrschluss, dass jede Interaktion, jede Nicht-Interaktion, sowie dessen Meta-Ebene und Verbindungsdaten erfasst und dauerhaft protokolliert wird. Wird dieser Vorgang nun durch etwas wie ein Benutzer-Login, Cookie, oder anderes eindeutiges Identifizierungsmerkmal (IP-Adresse der Internetleitung, Kombination Browser-/Verhaltenstypischermuster), so entsteht ein vollständiges Datenprofil.

Ist das schlimm? Nein, nicht solange man das weiß. Kann man es einsehen? Realistisch gesagt: nein.

Stellt sich nun die Frage, was man damit erreichen möchte: Nun im Grunde genommen geht es um Cash-Generierung. Sämtliche Aufwände dienen der gleichzeitigen Verfolgung zweier Ziele:

1. Sicherung der langfristigen Kundenbindung durch maßgeschneiderte Dienste eines Massengeschäftes.
2. Gewinnmaximierung aus diesem Kunden-Datensatz (Asset)

Beides steht nicht im Widerspruch und entspricht marktüblichen Verhalten von Unternehmen. Zu glauben, das gleiche wäre in einem offline Laden um die Ecke ist Naiv, sofern es sich nicht um einen echten Einzelhändler handelt. Jedoch ist im Laden vor Ort die Marge geringer, sodass das Online-Geschäft weiter forciert werden muss.

Nun, bei Online-Einkaufsportalen lässt sich das ganze noch recht einfach nachvollziehen:
Man sucht ein Produkt, kauft es und erhält entsprechende Produktempfehlungen. Diese faszinieren so sehr, dass man direkt nochmal zuschlägt. Auf Grund der positiven Erfahrung mit der logistischen Abwicklung hat man somit seine neue Hauptlieferquelle gefunden.

Doch wie sieht das ganze mit Unternehmen aus, deren vordergründige Tätigkeit nichts mit dem Verkauf von Produkten zu tun hat? Google und Facebook sind hier natürlich nur exemplarisch genannt, weil beide am europäischen Markt derzeit Branchenführer sind.
Diese verkaufen Werbeplätze. Auf Grund des persönlichen Datenprofils wird dann die bestmögliche Werbung eingeblendet. Dafür gibt es zwei Ansätze, ein leichter und ein schwerer:
1. Leicht: Suchbegriffe und Surf-Historie durchsuchen und passende Matches anzeigen.
2. Schwer: Verhalten analysieren und vorhersagen (Predictive, basierend auf statistischer Warscheinlichkeit)

Das Erste kann jeder und ist ein Standardvorgang, beim Zweiten hingegen landet man ganz schnell in Themen wie Business Intelligence, Big Data oder sonstigen Wirr-Warr der IT-Fachpresse. Algorithmen sind das Zentrum dieses Ansatzes.

Alleine schon durch die Reaktion auf die eingeblendete Werbung kann dieser Algorithmus verbessert und das Datenprofil individuell geschärft werden. Willkommen bei der Mass-Market-Customization.

Das eigene Verhalten generiert also dem Unternehmen völlig umsonst ein umfassendes Bild. Stark, der Aufwand hat sich also gedreht - wo früher noch Analysten tätig waren, oder Marktforscher aktiv sein mussten, reicht heute eine selbstlernende Infrastruktur. Momentan ist diese noch komplex zu betreiben und teuer, aber das waren PCs vor 30 Jahren auch und heute bekommt man sie fast geschenkt. Ist es schlimm, dass der Benutzer dieses Datenprofil also selbst erzeugt? Nein, solange gewisse Spielregeln eingehalten werden sicherlich nicht. Doch was ist, wenn auf einmal mehrere Firmen diese Daten untereinander austauschen? Wie unangenehm können Folgen sein, wenn das eigene Profil auf einmal öffentlich wäre?

Mit solchen Fragen im Hinterkopf sollte man die Welt der digitalen Gratis-Herrschaft betrachten. Ich starte nun in den November, noch scheint hier die Sonne.

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