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Offline scheitert am Internetkunden

Im Moment habe ich etwas mehr Zeit, sodass ich mal wieder häufiger durch die Stadt wandern kann und alles mögliche sehe. Vieles sind irgendwelche Läden, die öffnen umbauen oder einen Räumungsverkauf stattfinden lassen, das übliche halt. Bei einem Laden blieb jedoch mein Blick hängen, denn das fand ich sehr schade: Emmas Enkel schließen ihre Filialen, obwohl das Konzept gar nicht schlecht klingt und erfolgreich hätte sein können.

Emmas Enkel soll eine Anspielung auf die alten Tante Emma Lädchen sein, Gemischtwarenladen mit Herz und Charakter aus einer Zeit, die längst nur noch in Retro-Filmen Einzug hält. Um jedoch genau nicht in diese Falle zu tippen war der moderne Ansatz, dass Kunden online sich Lebensmittel und verschiedene Artikel bestellen können und dann offline im Laden nach Feierabend abholen können und entsprechend evtl. noch etwas umherstöbern.
Haupteigentümer war die Metro-Gruppe, sodass die Einkaufskonditionen und Warenverfügbarkeit kein Problem darstellen sollten. Die Filialen wurden jetzt jedoch kurzfristig geschlossen. Wieso?

In meiner Wahrnehmung spielen folgende Faktoren da offensichtlich bei:
1. Die Bekanntheit der Marke "Emmas Enkel" ist nicht gegeben
2. Das Online-Offline-Konzept hat es nicht in die Köpfe geschafft
3. Konzept und Konsument haben keinen Match

Hier auch gerne, wie ich darauf komme:
1. Wenn ich sage "Ich gehe zur Metro" weiß jeder, was gemeint ist und worum es sich handelt. Wenn ich frage "Brauchst du was von Emmas Enkeln?" ist das nicht der Fall. Alles, was man zusätzlich erklären muss trifft meistens dann doch eher auf eine Ablehnung statt einer Befürwortung - so ist Mensch einfach. Das hätte man durch KOMMUNIKATION seitens der Muttermarke deutlich besser gestalten können. Werbung reicht mir hier nicht aus, das ist mir zu aktivistisch und punktuell. Moderne Anreizsysteme, eine präsentere und integrativere Ausrichtung auf die potentiellen Konsumenten wären hier zwei Aspekte.

2. Mir wurde die Konzeptidee hinter dem Laden erst bewusst, als ich nachgeschaut habe, was das für ein Laden ist und wieso er schließt. Ich bin großer Freund von allem, was online und offline miteinander verbindet, um einen realen Mehrwert zu schaffen und dem ganzen einen Charakter verleiht. Das ist hier nicht der Fall. Im Dialog mit einem Arbeitskollegen meinte dieser nur "Meinst du den Supermarkt da?". Nachdem ich es im erklären musste, wurde mir klar, wieso es nicht funktioniert hat.

3. "Tolle Ideen müssen sich nur vor den Investoren beweisen, tolle Produkte am Markt."
Diesen Satz habe ich mal in meinem Studium aufgeschnappt und er ist einfach wahr. Am Papier liest es sich schön und die Filiale ist schnell geöffnet. Der Reiz des Neuen strömt aus allen Regalen. Allerdings, ohne die nötige und vor allem andauernde Akzeptanz durch die Konsumenten wird das ganze nichts. Man ist halt ein Gewohnheitstier (wissenschaftlich "habitualisiertes Konsumentenverhalten") und sieht wenig Wert darin, sich seine Lebensmittel/Haushaltsgegenstände online zu kaufen, um dann doch in den Laden zu müssen - dann kann ich das auch dort einkaufen, wo ich es immer mache. Hier wird aneinander vorbei gedacht und der Konsument straft es ab.

Vielleicht ist der heutige Internetkunde auch einfach nicht so weit, dass er diese Akzeptanz von Brücke zwischen online und offline hinbekommt und auch fördern möchte. Eigentlich sehr schade, dass mittlerweile in fast allen Bereichen es gesellschaftsfähiger geworden ist, den Artikel online zu bestellen, nach Hause liefern zu lassen, evtl. reklamieren und zurücksenden oder zu konsumieren, statt einem lokalen Händler dabei zu unterstützen.

Wer sich mal wirklich ein paar Gedanken zum Thema "Lieferung nach Hause ist das Tollste" machen möchte, dem empfehle ich mal auf YouTube nach dem Schlagwort "Paketsklaven" zu suchen. Ist ein Beitrag, der den Alltag ungeschönt zeigt.

Wahnsinn, was mich dann doch dieser eine Spaziergang beschäftigt hat und in meinem Kopf ausgelöst hat. Ich glaube, ich lege mich mal in den Park.

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